Chillen beim Grillen

Putzen gehört eben auch dazu

Von Ralf Bos

Das, was mich am meisten vom Grillen abhielt, war die anschließende Reinigung des Grillgerätes. Da ich nach dem Grillen meist mit Essen, Trinken und anschließend mit ‚Müde sein‘ beschäftigt war, hatte ich das Grillgerät auch nicht, wie es sich gehörte, nach dem Grillen gereinigt, sondern die Reinigung auf einen späteren Zeitpunkt verschoben. In der Praxis hieß das: Vor dem Grillen musste erstmal der Grill sauber gemacht werden.

Dieses war  der Moment, in dem meine Gattin mich fragte: „Wollen wir heute grillen, Schatz?“

 

Ich sah mich dann, vornüber gebeugt über den Badewannenrand, mit einer Bürste bewaffnet den Schmodder vom letzten Grillen vom Rost schaben, um anschließend die alte kalte Asche zu entsorgen und den Grill zu putzen.

Die Antwort an meine Frau lautete  meist: „Lass uns lieber was essen gehen, Liebes.“ Oft hatten wir mehrere Jahre lang nicht mehr privat gegrillt. Meine Rettung war die Plancha! Ein Gasgrill, der anstatt eines Grillrostes über eine Grillplatte verfügt. Ähnlich wie ein japanischer Teppanyaki Grill.

 

Jetzt ist eine Grillplatte nicht weniger pflegeintensiv als ein Grillrost, sollte man denken.

 

Weit gefehlt! Eine Plancha ist erst dann eine richtige Plancha, wenn die Grillplatte eine gewisse Stärke (ab 6mm), das richtige Material (Stahl) und genug Energie (zwei Gasbrenner) zur Verfügung hat.

Nur bei dieser Konstellation ist es möglich eine Temperatur von über 300°C auf der Grillplatte zu erreichen. Bei dieser Temperatur stellt sich ein physikalischer Effekt ein, der sich „Leidenfrost“-Effekt nennt. Hierbei handelt es sich um den Effekt, den man kennt, wenn man Wasser auf eine ganz heiße Herdplatte schüttet. Das Wasser verdampft nicht zischend, sondern trollt sich als Wasserperlen über die Herdplatte.

Das Gleiche passiert auf der Plancha mit dem Gargut. Zwischen den Speisen und der Grillplatte entsteht ein kleines Luftpolster, welches verhindert, dass das Gargut anbrennt oder zu schnell schwarz wird und welches dafür sorgt, dass Olivenöl trotz seines geringen Rauchpunktes nicht verbrennt. Vielmehr verwandelt sich die Farbe der Speisen relativ schnell in ein goldbraun, und die Röstaromen werden ganzflächig herausgekitzelt. Die Resultate sind ein hocharomatisches aber trotzdem saftiges Stück Fisch oder Fleisch,knackige Gemüse und sogar außergewöhnliche Dessertkreationen vom Plancha-Grill.  Durch die ausgefeilte Technik ist es sogar möglich, das Grillgut mit Spiegelei zu servieren und karamellisierte Nüsse in geschmolzenem Zucker zuzubereiten.

Besonders verwöhnte Grillfreunde, die im Grillen nicht nur eine lustige Zubereitungsart von Würsten und Nacken-Koteletts sehen, sondern durchaus kulinarische Ansprüche haben, sind von der Einfachheit der Zubereitung eher diffiziler Speisen, wie Fisch oder Meeresfrüchte vom Grill schnell zu begeistern.

Auch das Würzen der Speisen ist viel umfangreicher und einfacher als bei herkömmlichen Grills. Man kann jedes Grillgut mit Flüssigkeiten, wie Fonds oder Marinaden übergießen. Die Flüssigkeiten verdampfen sofort und das Aroma bleibt an der Grillspeise haften. 
Selbst das Dämpfen ist auf der Plancha möglich, wenn man nach dem Übergießen eine Gloche über das Gargut stülpt.

Aufgrund der großen Hitze ist das Grillgut sehr schnell gegart, und der Grillmeister hat die Möglichkeit zusammen mit seinen Gästen zu essen und muss nicht den Strafdienst am Grill absolvieren.


Nicht zuletzt aus diesem Grund werden bei Grillabenden an der Plancha oft fünf oder sechs Kleinigkeiten hintereinander zubereitet.

Das größte Erlebnis ist und bleibt jedoch das abschließende Reinigen des Geräts. Es hört sich jetzt unglaublich an, aber es funktioniert tatsächlich, ich schwör.

Sie müssen einfach nur eine Tasse Wasser auf die knallheiße Grillplatte gießen. Der „Leidenfrost“- Effekt löst augenblicklich alle Speisereste und Grillrückstände von der Grillplatte ab und diese werden mit einem Schaber in die Fettauffangschale geschoben, und diese kommt dann in die Spülmaschine. Der ganze Reinigungsvorgang dauert nicht mehr als 15 Sekunden. Kein Witz.

 

Für mich ein Grund, bei schönem Wetter bis zu viermal die Woche zu grillen, denn man kann wirklich alles damit Grillen. Nicht nur Fisch, Fleisch und Gemüse, auch Risotti oder in kaltem Wasser eingelegte Nudeln, Bratkartoffeln, Früchte und Omeletts oder Pfannkuchen.  Alles geht! Ein Paradies für Gourmets und für Gourmands und deren Mischwesen, von denen ich eins bin.

Viel Spaß und einen chilligen Grillabend mit der Plancha!