Alles auf Anfang

Bilanz und Ausblick bei alltours

Willy Verhuven - Gründer und Chef von alltours - ist immer wieder mal für eine Überraschung gut. So auch in diesem Jahr bei der traditionellen Pressekonferenz zum Saisonabschluss. Da gab es nicht nur Rückschau und Ausblick.

Wenn Willi Verhuven von Griechenland redet, verjüngt sich sein Gesicht. Ein Strahlen zieht auf. „Ich bin zwar auch viel in Spanien oder auch der Türkei“, erzählt er, „aber Griechenland ist immer wieder besonders. Da ist nicht nur das Meer blauer, das ganze Gefühl ist besser“, schwärmt er. Nun ja verwunderlich ist die Liebe zum Land der Helenen nicht. Gingen doch die ersten Reisen des Unternehmers 1974 nach Griechenland. Inzwischen hat Verhuven daraus den größten konzernunabhängigen Reiseveranstalter gemacht und ist Nummer fünf der Branche. Und laut Gesellschaft für Konsumforschung kennen stolze 92 Prozent der Deutschen die Marke alltours. 

 

Nun saß Verhuven wieder auf dem Podium im Düsseldorfer Dreischeibenhaus zur Herbst-Pressekonferenz seines Unternehmens.

 

So sagten im Urlaubsjahr 2017/18 (November bis Oktober) immerhin 1,726 Millionen Gäste: „Nicht ohne meinen alltours.“ Doch es gab nicht nur Sonnenschein. Und das hat nichts mit dem Wetter zu tun. „Die Pleite von Air Berlin und die vielen Flugausfälle in dieser Saison haben sich auf unsere Kosten ausgewirkt“, so Verhuven. Allerdings habe man alle Gäste befördert. „Bei uns bleibt niemand auf der Strecke. Manchmal musste da ein Flugzeug nur für 50 Gäste gechartert werden.“ Außerdem habe das Flugproblem auch dazu geführt, dass das Buchungsverhalten etwas verhaltener war. Trotzdem plant das Düsseldorfer Unternehmen für die kommende Saison einen Zuwachs von sechs Prozent. Mit noch einmal vier Prozent mehr Gästen. Die Nummer Eins der Ziele bleibt dabei Spanien. Auch wenn es 2017/18 nicht ganz so gut lief. Vor allem Mallorca und die Kanaren waren weniger gefragt. Grund dafür seien die besseren Preise und der bessere Service etwa in der Türkei und in Griechenland. Aber auch Länder wie Tunesien und Ägypten sind wieder kräftig beteiligt ebenso wie Bulgarien, wo in den vergangenen Jahren viel an der Infrastruktur verbessert wurde und es gerade für Familien ein attraktives Preis-Leistungs-Verhältnis gibt. 

 

Insgesamt finden sich in den neun alltours-Katalogen 3.045 Hotel. Jedoch sind noch weit mehr auch online bzw. in Reisebüros buchbar. So kommt man dann auf gut 15.000 Häuser. Apropos online. Das wird auch für die Düsseldorfer immer wichtiger. Die Auflage der Kataloge ist um ein Drittel auf zwei Millionen geschrumpft. „Wir müssen uns auf die Gäste einstellen“, so Verhuven. „Heutzutage macht man ja fast alles online.“ 

 

Dies ist aber nicht das einzige was er neu machen möchte. Denn erst vor wenigen Wochen hat er seinen Geschäftsführer entlassen und ist nun selbst wieder an die Spitze zurückgekehrt. Zurück in die Zukunft sozusagen. Es ist wohl aber auch nicht ganz einfach für ihn loszulassen. Immer mal wieder in den vergangenen Jahren hat er davon gesprochen. Er wolle nur noch den Beirat anführen, hieß es dann. Doch derweil wurden einige Geschäftsführer verschlissen, Pressesprecher ebenso und ob es lohnt die Visitenkarte des neuen Pressesprechers zu speichern ist Ansichtssache. Aber egal. Die Zahlen sprechen für die Arbeit Verhuvens seit 1974. Ist es doch nicht ganz leicht sich gegen Riesen wie TUI oder auch Thomas Cook zu behaupten. Insofern gibt ihm seine Personalpolitik recht. Und die meisten Mitarbeiter (3.700 sind es weltweit) werden ihren Chef wohl mögen. Lässt er doch regelmäßig mit Sonderzahlungen alle am Erfolg des Unternehmens teilhaben. Nicht zu vergessen die Extras zu langjährigen Firmenjubiläen: Uhren, Kreuzfahrten. „Doch die Zeiten haben sich geändert und so müssen auch wir uns anpassen“, so Verhuven. Dabei sieht er wenigen auf die großen als auch auf Booking.com, Trivago oder auch Airbnb. „Wir müssen weg von eingetretenen Pfaden sonst geht es uns wie Air Berlin“, so sein Credo. Bei Air Berlin schien alles immer so schon weiter zu laufen. Doch dann… „Das war ein Weckruf für uns“, so Verhuven zum Schluss. Dann muss er weg. Mit einer Fluggesellschaft verhandeln. Das muss er nun ja wieder selbst machen.